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Ein Forschungsprojekt des OTW: Neuherausgabe und Bearbeitung des Werkes "Bilder aus Anatolien. Höhlen und Hane in Kappadokien" (Wien, Österreichische Staatsdruckerei 1955)von Clemens und Gunda Holzmeister, Rudolf Fahrner
Anlaß und Gestaltung: In den nächsten Jahren ereignen sich in bezug auf die Geschichte Österreichs und der Türkei einige Jubiläen, beginnend 2003 (80 Jahre Republik Türkei, 40 Jahre Kulturforum Istanbul, 20 Jahre Todestag Clemens Holzmeister), 2004 (80 Jahre bilaterale Beziehungen Österreich und Türkei, 250 Jahre Diplomatische Akademie), 2005 (50 Jahre österreichischer Staatsvertrag, bei dessen Unterzeichnung die Türkei eine interessante Rolle spielte, da sie dem Belvedere einen ihrer Teppiche aus der vis-a-vis gelegenen Botschaft zur Verfügung stellte).
Einen herausragenden Stellenwert nimmt das Jubiläum um den österreichischen Architekten Clemens Holzmeister ein, der viele Jahre seines Lebens in der Türkei verbrachte und vor allem in Ankara zahlreiche Spuren seines großen architektonischen Könnens hinterließ, die bis heute zu besichtigen sind.
Das vorliegende Projekt möchte sich mit einer nahezu unbekannten Facette des großen Künstlers befassen. Eine Reise nach Kappadokien nahmen sich Holzmeister und seine Frau als Anlaß, um diesem Erlebnis ein Buch zu widmen, das damals von der Österreichischen Staatsdruckerei verlegt wurde. Thema des Werkes ist das wunderschöne, ausdruckstarke Kappadokien, von dessen bizarrer Schönheit der Architekt sowohl Fotos machte als auch Skizzen, Aquarelle anfertigte.
Mit dem neuaufzulegenden Werk, das als Hommage an Holzmeister konzipiert ist, versucht das Österreichisch-Türkische Wissenschaftsforum auf den Spuren des großen Architekten zu wandern, mit seinen Augen das Gebiet nochmals zu bereisen und ausgewählte türkische und österreichische Künstler dazu anregen, einige der von Holzmeister angefertigten Bilder unter seiner Inspiration in den ihnen gängigen Formaten zu erschaffen.
Zusätzlich bemüht sich das Österreichisch-Türkische Wissenschaftsforum darum, den Mann Holzmeister greifbar zu machen, fernab vom Rummel um seine Person als gefeierter Architekt. Hat ihn Kappadokien etwa mit seiner architektonischen, naturgewaltigen Ausformungen zu eigenen Werken inspirieren können? Was faszinierte Holzmeister derart, daß er ein Buch zu der Thematik verfaßte? Existieren Tagebücher, die die Eindrücke des Meisters belegen? Auch im heutigen Sinn hat Kappadokien im Sinne der Architektur noch viel Inspiration in sich verborgen. Hat sich im Lauf der letzten 50 Jahren die Gegend verändert? Auch das ist zu belegen anhand von dokumentativem Photomaterial. Für den Schluß ist eine Gegenüberstellung konzipiert: hat Kappadokien seinen Zauber verloren oder ist es genauso mystisch-inspirativ, so wie es Holzmeister vor einem halben Jahrhundert gesehen hat?
Diese und ähnliche Fragestellungen werden im vorliegenden Projekt angesprochen und bearbeitet.
Eckdaten zu Clemens Holzmeister (1886–1983)
Clemens Holzmeister studierte an der Technischen Hochschule in Wien Architektur (1906-1913). Holzmeister war in zwei Perioden Professor an der Wiener Akademie der bildenden Künste (1924-38, 1954-57), Meisterschulenleiter an der Düsseldorfer Kunstakademie (1928-32), Präsident der Zentralvereinigung der Architekten und des neuen österreichischen Werkbundes (1932-38). 1927 wurde er zum ersten Mal über die Vermittlung von Mehmet Hamdi Bey, dem ersten Gesandten der Türkischen Republik in Österreich, mit dem Auftrag zum Bau eines Kriegsministeriums nach Ankara eingeladen. Aufgrund der politischen Entwicklungen in Österreich emigrierte Holzmeister in die Türkei (1938-54). Als er 1938 aus der Wiener Akademie entlassen wurde, übersiedelte er nach Istanbul. Clemens Holzmeister lehrte von 1940 bis 1949 an der Technischen Universität in Istanbul. Er war definitiv einer der bedeutendsten Gestalter der architektonischen modernen Türkei. Er wurde berühmt für seine Werke zeichenhafter Monumental- und Sakralarchitektur, Neuinterpretation lokaler Bautraditionen zwischen inszenierter Einfachheit und expressiver Gestik. Er schuf auch Denkmäler und Bühnenbilder. 1947 übersiedelte Holzmeister in die Hauptstadt der modernen Türkei, von wo er zwischen Wien und Ankara pendelte. Holzmeister, der 1954 endgültig wieder nach Wien zurückehrte, erhielt 1953 den "Großen Österreichischen Staatspreis", 1957 das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst und zahlreiche weitere hohe Auszeichnungen. 1963 verlieh die Istanbuler Technische Universität ihrem einstigen Gelehrten das Ehrendoktorat.
Bleibende Spuren von Holzmeister in der Türkei sind:
Kriegsministerium und Generalstabsgebäude (1927-30)
Arbeitsministerium 1929-34
Kriegsschule und Offizierskasino 1930-35
Palais Atatürk 1931-32
Merkez-Bank 1931-33
Denkmal der Sicherheit (1931-36 in Zusammmenarbeit mit dem österreichischen Bildhauer Anton Hanak)
Emlak-Bank 1933-34
Oberster Gerichtshof 1933-34
Österreichische Gesandtschaft 1933-34
Wirtschafts- und Landwirtschaftsministerium 1933-35
Innenministerium 1932-34
Parlamentsgebäude in Ankara 1938-63
Projektverantwortlichkeit:
Inanç Atýlgan, wissenschaftliche Leitung Kerstin Tomenendal, wissenschaftliche Leitung Rebii Yetiþ, künstlerische Leitung
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