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Podiumsdiskussion am 2. Juni 2003.
Österreichisch-Türkische Wirtschaftsbeziehungen und ihre EU-Dimension
Eilt die Wirtschaft der Politik voraus?
DISKUTANTEN:
Botschafter Dr. Martin Sajdik (Stv. Sektionsleiter EU-Erweiterung, Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten)
Erster Handelsrat Ömer Berki Türkische Botschaft (Handelsabteilung)
Dr. Manfred Pittioni (Österreichisch-Türkisches Wissenschaftsforum)
Mag. Aykut Ugurlu (Vorstandsmitglied des Verbandes Österreichischer und Türkischer Industrieller und Unternehmer ATIS)
Das Österreichisch-Türkische Wissenschaftsforum (OTW) setzt sich zum Ziel, Österreich und die Türkei in ihren historischen Grenzen und ihrer momentanen Stellung als EU-Mitglied und Beitrittskandidat bzw. als Bindeglied in den Orient und Zentralasien wissenschaftlich und kulturell zu vernetzen. Das Forum versteht sich als Unterstützung und Ergänzung zu bereits bestehenden fachspezifischen universitären bzw. außeruniversitären Einrichtungen, die zwischen den wissenschaftlichen Institutionen von Österreich und der Türkei verbindend agiert.
Durch diese Grundlinien füllt das OTW die bislang bestehende Lücke einer Kontaktinstitution zwischen den Forschungszentren dieser beiden Länder.
Das OTW sieht eine seiner Hauptaufgaben darin, die wissenschaftliche und kulturelle Tätigkeit der Forscher und Forschungsinstitutionen aus beiden Ländern in ihren Forschungsvorhaben zu erleichtern und zu vernetzen.
Durch eine Vielzahl von bilateralen Kooperationen zwischen Österreich und der Türkei erbringt das Österreichisch-Türkische Wissenschaftsforum wertvolle Serviceistungen für Forschung und die scientific community.
Es ist OTW bewußt, welche Art von Beziehung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft besteht. Auf der Homepage der Europäischen Komission findet sich folgendes Statement: „Solide wissenschaftliche Forschung und technologische Entwicklung sind für das Wirtschaftswachstum eines Landes von außerordentlicher Bedeutung. Außerdem kann die europäische Industrie nur dann vom europäischen Binnenmarkt profitieren, wenn sie die Forschungsressourcen in bestimmten Schlüsselbereichen und vorrangigen Technologiefeldern kombinieren kann. Die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und ihr Beschäftigungspotenzial hängen zu einem großen Grad von den Aktivitäten der Forschung und technologischen Entwicklung ab."
Ein weiteres Beispiel gibt uns der Dekan der Geistes- und Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, Univ.Prof. Dr. Franz Römer: „Das hier so positiv zum Ausdruck gebrachte Verhältnis von Wissenschaft und Wirtschaft stellt tatsächlich ein sehr grundlegendes Problem dar, das letztlich in der Frage nach der Aufgabe der Wissenschaft als solcher wurzelt und heute aktueller ist als je zuvor – freilich auch ein viel zu existentielles und komplexes, als daß es in diesem Rahmen mehr als angedeutet werden könnte. Besteht die Aufgabe der Wissenschaft in der theoretischen Vorarbeit für praktische Prozesse, sprich wirtschaftliche Produktion, oder einfach in dem Streben nach Wissen? Ist Wissen um seiner selbst willen ein erstrebenswertes Ziel? Es wird Sie nicht überraschen, wenn ich die letzte Frage für mich vorbehaltlos mit ja beantworte, aber es ist mir ebenso klar, daß die öffentliche Diskussion oft stark in eine andere Richtung geht, speziell wenn die Aufgaben der Universität zur Debatte stehen. Produktivität und Praxisorientierung sind dann häufig anzutreffende Schlagworte oder wenigstens Denkrichtungen. Selbstverständlich darf man sich auch nicht zu sehr in idealistischen Forderungen verlieren, und es muß anerkannt werden, daß die Wirtschaft erst die materiellen Voraussetzungen schafft, unter denen die Wissenschaft gedeihen kann. Um es noch einmal zu betonen: Was wir brauchen, ist einfach die Zusammenarbeit, das Zusammenwirken von Wissenschaft und Wirtschaft, das nicht immer nur ein eng gestecktes ökonomisches Ziel haben darf – wie es ja auch bei unserem Symposium keineswegs der Fall ist.“
Seit dem 16. April 2003, dem Athener Abkommen, welches der EU zehn neue Kandidaten zuführt, hat sich eine neue Konstellation in Hinblick auf die Türkei ergeben und sie in das unmittelbare Interessensgebiet der EU gerückt. Gerade unter dieser Betrachtungsperspektive ist eine Evaluierung des Ist-Zustandes der bestehenden Kooperationen zwischen Österreich und der Türkei auf verschiedenen aktuellen Gebieten, wie auch der Wirtschaft, besonders wichtig. Österreich und die Türkei können auf eine lange Tradition von Wirtschaftsbeziehungen zurückblicken, welche durch die Entstehung der EU noch verstärkt wurden. Exporteure beider Länder mußten sich den Regeln der Gemeinschaft anpassen und konnten dabei ihre Märkte stark erweitern. Die nachhaltigen Bindungen der Türkei an die EU rücken eine Integration der Republik Türkei in greifbare Nähe. Die jüngsten Erweiterungsschritte der EU vom 16. April 2003 in Athen binden die mittel- und osteuropäischen Beitrittskandidaten, sowie Malta und Zypern im Mittelmeerraum in die EU ein. Südosteuropa, besonders die Türkei, wird somit zu einer neuen Priorität für die EU. Dadurch werden für die europäische Wirtschaft große Investitionspotentiale eröffnet.
Ein türkisches Sprichwort sagt: „Das Wissen wird größer, je öfter man es miteinander teilt“.
In dem Sinne: Scientia unit.
Kerstin Tomenendal Obfrau des Österreichisch-Türkischen Wissenschaftsforums
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