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Die Rolle von NGOs mit muslimischem bzw. interreligiösem Hintergrund bei der Imagebildung von Muslimen in der österreichischen Öffentlichkeit während des Fastenmonats Ramadan
AUTOREN: Kerstin Tomenendal - Sena Dogan - Valeria Heuberger
Ein Forschungsprojekt der ARGE “Wege zur Civil Society in Österreich" der Österreichischen Forschungsgemeinschaft
Die Studie befaßt sich mit ausgewählten österreichischen NGOs mit muslimischem bzw. interreligiösem Hintergrund und deren Aktivitäten als Wissensvermittler hinsichtlich des Islam und seiner Kulturen im Kontext der österreichischen Zivilgesellschaft. Zentrale Fragestellung hierbei ist, welcher Mittel sich die genannten Vereine bedienen, um ein differenzierteres Bild des Islam zu präsentieren und dadurch zu einer Änderung des vorwiegend eindimensionalen Islambildes in Österreich beizutragen. Österreich gilt innerhalb Europas als vorbildhaft für den Umgang mit dem Islam. So ist der Islam seit 1912 in Österreich eine gesetzlich anerkannte Religionsgesellschaft, wobei die sich zunächst nur auf die hanafitische Rechtsschule beziehende Anerkennung 1979 auf alle sunnitischen Rechtsschulen sowie den schiitischen Islam ausgeweitet wurde. Auch im österreichischen Schul- und Bildungswesen ist der Islam präsent. Das Unterrichtsfach Islamischer Religionsunterricht (IRU) ist an Österreichs Schulen seit 1983 etabliert, ein Islamisches Gymnasium (1999) sowie ein Islamisches Religionspädagogisches Institut (IRPA, 1998) sind seit nahezu einem Jahrzehnt in Betrieb, ab dem Wintersemester 2007/08 wird ein Masterstudienlehrgang „Islamische Religionspädagogik“ an der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaften der Universität Wien abgehalten. In der österreichischen Mehrheitsgesellschaft bestehen historisch sowie durch rezente politische Entwicklungen begründete Ängste gegenüber dem Islam, vor allem gegenüber einer seiner Manifestationen in Form des politischen Islam. Vor allem seit dem Jahr 2004 mit seinen intensiven Debatten über die EU-Mitgliedschaft der Türkei erfolgte eine Sensibilisierung hinsichtlich der Türkei sowie den Islam insgesamt betreffend, der zunehmend mit Skepsis angesehen und im politischen Tagesgeschehen, insbesondere bei Wahlen, von populistisch agierenden Parteien als ein Medium für Wahlerfolge eingesetzt wird. In Österreich fungiert die Islamische Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ) als offizieller Ansprechpartner der Republik Österreich. Sie repräsentiert eine überaus heterogene muslimische Landschaft, die sich nicht nur aus verschiedenen Herkunftsländern und -ethnien, sondern auch aus unterschiedlichen Islamauffassungen zusammensetzt. Muslime in Österreich stammen mehrheitlich aus der Türkei, gefolgt von Muslimen aus Bosnien-Herzegowina sowie Arabern vorwiegend aus Ägypten und Syrien sowie zu einem kleinen Anteil aus verschiedenen Ländern Afrikas und Asiens. Die vorliegende Studie hatte als Untersuchungsfokus den islamischen Fastenmonat Ramadan ausgewählt. Dieser spielt im religiösen, kulturellen und sozialen Leben der Muslime eine zentrale Rolle und besitzt auch großen Bekanntheitsgrad unter Nicht-Muslimen, wodurch er sich nach Ansicht der untersuchten Vereine als Medium für die Vermittlung eines positiv besetzten Islam-Bildes sehr gut eignet.
Das Forschungsprojekt wurde vom Österreichisch-Türkischen Wissenschaftsforum (OTW, www.otw.co.at) im Auftrag der Österreichischen Forschungsgemeinschaft im Rahmen ihrer Arbeitsgemeinschaft Civil Society durchgeführt. Neun ausgewählte Vereine dienten dabei als komparative Fallstudien für die heterogene Situation des Islam in Österreich. Für das Forschungsprojekt wurden teilstrukturierte Tiefeninterviews durchgeführt, Fragestellungen betrafen hierbei die Zielsetzungen des jeweiligen Vereins, ihr Zielpublikum, ihre Intention als Wissensvermittler über den Islam v.a. während des Fastenmonats aber auch während des Jahreslaufes, ihr Erfahrungsspektrum sowie ihre Einstellung v.a. in Hinsicht auf tagespolitische Ereignisse wie die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei, lokale Wahlen und das Neue Aufenthaltsgesetz (NAG). Die Studie wurde auf der Basis von 46 Interviews, Medienscreening und unter Heranziehung von Sekundärliteratur aus dem Blickwinkel eines interdisziplinären Ansatzes (Religions- und Mingrationssoziologie, Geschichte, Stereotypenforschung, Orientalistik und Gender Studies) verfaßt.
Der Endbericht zu dieser Studie ist unter www.oefg.at/frm_pub.htm abrufbar. Das dreihundert Seiten umfassende Buchmanuskript wird demnächst erscheinen.
Schlagworte: Islam in Österreich, Muslime in Österreich, Ramadan, interreligiöser Dialog, Migrationspolitik, Zivilgesellschaft, Muslim Space, Muslim Leadership
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