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Begrüßung der Gäste von Inanc Atilgan, Österreichische Nationalbibliothek, 2. Oktober 2002
Die Intensivierung österreichisch-türkischer Wissenschaftskooperationen ? nicht nur auf bilateraler Basis sondern auch in Hinsicht auf eine künftige Rolle der Türkei im europäischen Forschungsraum ? stellt eine der wichtigsten Aufgaben und eine Herausforderung des OTW dar. Neben gemeinsamen kulturellen und wissenschaftlichen Kontakten haben Österreich und die Türkei eine gemeinsame europäische Zukunft im europäischen Forschungsraum, wo vor allem die Türkei unvergleichbare Chancen im Wissenschaftsbereich erhält, um eine gleichberechtigte Integration in die EU durchführen zu können. Die wissenschaftliche Zukunft Europas liegt in der Etablierung und Erhaltung von ?networks? zwischen den Staaten und Regionen unseres Kontinents. Ein kleiner Draht zwischen Österreich und der Türkei ist eine Achse inmitten dieses europäischen wissenschaftlichen Netzwerkes. Ich glaube, wir alle leisteten in den vergangenen zwei Tagen mit dem Symposium ?Die Ära Kara Mustafa Paschas in der österreichisch-türkischen Geschichte. Von Mogersdorf nach Buda (1664?1686) ? Neue militär- und kulturhistorische Aspekte. Ein Strukturvergleich? einen kleinen wissenschaftlichen Beitrag.
Die Abdeckung dieses Mangels in diesem wissenschaftlichen Bereich zwischen Österreich und der Türkei, in dem man im Gegensatz zu anderen Kontaktbereichen zwischenstaatlicher Beziehungen nur verbindend wirken kann, war die Zielsetzung bei der Gründung des OTW. Ein türkischer Leitspruch besagt: ?Das Wissen wird größer, je öfter man es miteinander teilt?. Daher ist auch das Motto des OTW: SCIENTIA UNIT.
Die Veranlassung der Übernahme der Buchpatenschaft durch prominente Persönlichkeiten im bilateralen Bereich seitens des OTW und der Merzifonstiftung ist nur ein weiterer kleiner Beitrag für das Ziel der wissenschaftlichen Vernetzung der beiden europäischen Staaten.
Bisher fand dieses Projekt noch nicht Anwendung auf den reichen Schatz türkischer Werke in der Österreichischen Nationalbibliothek. Dies ist das erste Mal für die Übernahme der Buchpatenschaft auch seitens der Türken.
Ich möchte den Buchpaten, Künstlerinnen, Wissenschaftlern, unseren Sponsoren, Mitveranstaltern, den österreichischen und türkischen Organisationsteams und vor allem den Anwesenden für diese Kooperation zur Rettung unseres geschriebenen Kulturerbes meinen Dank aussprechen, das in einer der bedeutensten Bibliotheken der Welt, unserer Österreichischen Nationalbibliothek, aufbewahrt wird.
Bitte erlauben Sie mir, hier in diesem prächtigen Ambiente aus einem türkischen Werk des 17. Jahrhunderts zu zitieren: Der bekannte türkische Weltenbummler Evliya Çelebi, der 1665 die osmanische Gesandtschaft von Kara Mehmed Pascha nach Wien begleitete, widmete einen Teil seines Fahrtenbuches (Seyahatname), dessen Entdeckung für die Wissenschaft wir dem bekannten österreichischen Orientalisten Joseph von Hammer-Purgstall verdanken, der Beschreibung Wiens. Er beschrieb im siebenten Band seines Werkes, das für die österreichische Orientalisten eine ähnliche Bedeutung hat wie die Germania des Tacitus für die deutschen Humanisten, die einzige Bibliothek, die er in der Stadt gesehen hat, folgendermaßen: ?Einige dienstbare Mönche betreuen diese gewaltige, wirklich sehenswerte Bibliothek mit einer derartig umfassenden Sammlung wertvoller Bücher, wie sie sonst kein Land mehr besitzt. [...] Gewiß auch in den Moscheen des Sultan Barkuk und des Sultan Farac in Kairo sowie in der Moschee des Eroberers und in der Süleymaniye, in der Moschee des Sultans Bayezid-i Veli und in der Neuen Moschee in Istanbul gibt es Sammlungen von Büchern, deren Zahl nur Allah, der Herr der Welten, weiß ? aber die Bücherei der Stephanskirche hier in Wien ist noch größer. [...] Nun, mit der Erlaubnis des Oberpriesters der Kirche habe ich Geringer diese Bibliothek betreten und besichtigt und in Augenschein genommen, wobei mir das Gehirn vom Dufte des Moschus und der puren Ambra durchräuchert wurde.?
Wenn Evliya Celebi heute bei uns wäre, wäre seine Begeisterung, wenn möglich, noch größer.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.
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