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18. Februar 2003 - 10:7
Europäische Fama

Welche den gegenwärtigen Zustand der vornehmsten Höfe entdecket.

1720

"Die Europäische Fama, welche den gegenwärtigen Zustand der vornehmsten Höfe entdecket" ist eine der frühesten Zeitschriften Europas (seit 1702), die 1735-1756 unter diesem Titel erschien und dann als "Die Neue europäische Fama" und 1760-1765 von Christian Gottfried Hoffmann und Carl Wilhelm Gärtner als "Neueste europäische Fama" weitergeführt wurde. Sie enthält Berichte über die wichtigsten europäischen Ereignisse dieser Zeit und die Porträts zahlreicher Könige, Fürsten und Adeligen.
KIRCHNER schreibt über die europäische Fama folgendes: "Zu den wertvolleren Erscheinungen historisch-politischer Journalistik, die den Ehrgeiz hatten, Überdurchschnittliches zu bieten und gebildete Kreise an sich zu ziehen, gehörte die in Leipzig im Jahre 1702 von Philipp Balthasar Sinold v. Schütz gegründete Europäische Fama, die zu den besten Erscheinungen unter den historisch-politischen Journalen gehörte." Allein diese Aussage ist ein Zeichen dafür, daß die Zeitschrift nicht der Tagesjournalistik, sondern der ernsthaften und gründlichen Zeitgeschichtsschreibung verpflichtet war. Philipp Balthasar Sinold v. Schütz (1657-1742) war nicht nur der Herausgeber der Zeitschrift Fama, sondern auch ein Gelehrter aus adeligem Hause und tätig als Journalist, politischer und geistlicher Schriftsteller. Er behandelt ausführlich wichtige Ereignisse der großen Politik des damaligen Europas. Bis 1735 erschienen 360 Teile der Zeitschrift.
Der Grund für die Benennung der Zeitschrift als Fama hat seine Wurzeln in der Antike. Das lateinische Wort Fama bedeutet erstens „Sage, Gerücht, Rede und Ruf“; zweitens „öffentliche Meinung und Volksstimme“; drittens „Leumund, guter Name oder eben auch üble Nachrede“; viertens „Ruhm und Berühmtheit“. All das umfaßt die ambivalente Göttin der Antike mit dem Namen "Fama".
Um die Bedeutung der Fama hier um so konkreter zu untermauern, sagt KIRCHNER: "Von diesen, zum Teil von Gelehrten herausgegeben und wissenschaftlich unterbauten Journalen der Zeitgeschichte bis zu der rein wissenschaftlichen Fachzeitschrift war oftmals kein zu großer Schritt. Die Grenzen waren nicht immer streng geschieden, weder nach der qualitativen noch nach der fachlichen Seite hin."
Der Fama-Band des Jahres 1720 beinhaltet insgesamt 12 "Theile" (229-240), die je mit einem Porträt einer berühmten Persönlichkeit verziert sind. Der Band besteht aus 1096 Seiten. Die Seitengröße ist 9 x 16 cm. Neben einem detaillierten Register beinhaltet der Band mannigfaltige Themen über die politischen Geschehnisse des vorangegangenen Jahres, auch einige bilaterale Themen wie „Türckische Groß=Botschfater am Kayserl. Hofe, dessen Empfang zu Wien“ oder „Türckischer Hof, dessen Begebenheiten“.

Kirchner, Joachim: Das deutsche Zeitschriftenwesen. Seine Geschichte und seine Probleme. Teil I: Von den Anfängen bis zum Zeitalter der Romantik. Wiesbaden 1958.

 
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